Unterwegs 2

Posted in BLABLABLA, HOME by Dvd on Juni 4, 2010

Sehr geehrter Herr aus der S-Bahn,

als ich am Samstag den 24. April um 7:59 Uhr die Bahn betrat, durfte ich einer der glücklichen Fahrgäste sein, die Ihre Anwesenheit teilen durfte. Weiterer glücklicher und hungriger Fahrgast, mit dem ich das Vergnügen teilen durfte, war ein Asiate mittleren Alters mit einem in Alufolie gewickeltes, belegtes Schwarzbrot, welches er mit höchstem Genuss verschlang. Ich bezweifle jedoch stark, dass Sie sich an ihn erinnern werden. Insgesamt bezweifle ich stark, dass Sie sogar trotz der Distanz von nicht einmal 2 Metern, meine Anwesenheit vernommen haben.

Im Normalfall bin ich nur einer von vielen, dem Sie versuchen einen Straßenfeger zu verkaufen und um eine kleine Spende bitten. Diesmal waren es jedoch nur drei Personen im Wagon: Meine Wenigkeit, der hungrige asiatische Herr und die Ihrige Person, die mit einer braunen fleckigen Hose, einem Grob gestrickten Pullover (ebenfalls fleckig) und einem Paar dieser orthopädischen Modeerscheinungen, die man als Schaumstoff-Clogs bezeichnet, bekleidet war.

Wenn Sie das nun lesen sollten und Sie sich noch nicht angesprochen fühlen, würde ich an dieser Stelle auf Ihr linkes Ohr verweisen, welches stark verwachsen und deformiert ist. Haben Sie zuvor viel mit dem Ohr auf harter Fläche geschlafen oder waren Sie vielleicht früher einmal in der Ringerbrange tätig? Anders kann ich mir das leider noch nicht erklären. Nichts liegt mir ferner, als mich über Ihr Erscheinungsbild lustig zu machen, jedoch muss ich darauf hinweisen, dass ich versuche anderen Leuten ein besseres Bild der ganzen Situation zu verschaffen und dass es sich hierbei um offen dargelegte Erkennungsmerkmale Ihrerseits handelt. Zumal kenne ich Ihren Namen auch überhaupt nicht.

Da ich Sie nicht auf Ihre Erkennungsmerkmale reduzieren möchte, um nicht vorgeworfen zu bekommen, dass ich mich hier über Sie lustig mache, nenn ich Sie einfach Herr Alufolienstrohhalm. Dies schien nämlich eines Ihrer wichtigsten Werkzeuge in der Bahn gewesen zu sein, welchem Sie Ihre volle Aufmerksamkeit widmeten. Zur Ausstattung gehörte zudem noch ein Zigarillo, das zu einem Drittel erhalten war, ein etwas längeres Alufolien-Stück mit einer unerklärlich schwarzen Färbung darauf und ein Feuerzeug.

Ahnungslos beobachtete ich Ihre Ahnungslosigkeit, Betreff der Raucherbestimmungen. Sie wissen doch bestimmt, dass rauchen auf den Bahnhöfen, sowie in den Bahnen an sich verboten ist. Daher möchte ich Sie Herr Alufolienstrohhalm nocheinmal darauf hinweisen, Ihren Zigarillo in Zukunft nicht mehr am Bahnhof oder in der Bahn zu benutzen. Allerdings haben Sie bestimmt eine Nische im System gefunden. Denn Sie benutzen Ihr Feuerzeug nicht nur zum befeuern des Zigarillos, sondern befeuerten ebenfalls das Alufolienstück, mit der unerklärlich, schwarzen und verbrannten Substanz darauf, welches ebenfalls zu qualmen begann. Vielleicht eine Art von Duftkerze, die den Zigarillo überdecken sollte?Auf jedenfall merkten Sie schnell, dass Ihre Duftkerze doch etwas unangenehm roch/stank.

Der Rauch, der durch die Befeuerung entstand, wurde netter Weise nicht in meine Richtung geweht, da sie sich dafür unaufgefordert verantwortlich fühlten und ohne weiteres bereit erklärten mittels Ihres Alustrohhalmes den Rauch zu inhalierten. Diese Prozedur war sehr eindrucksvoll, da Sie Ihre sonst sehr aufgelöste Haltung und Benommenheit aufgaben, um konzentriert der Rauchbekämpfung nachzugehen. Sehr interessant! Wahrscheinlich aus Scham.

Herr Alustrohalm, Sie hätten es sich auch einfacher gemacht, wenn Sie das Rauchen in der Bahn einfach unterlassen hätten. Sie haben die Prozedur mit dem Strohhalm zwei bis drei Mal wiederholt nur um den Geruch des Zigarillos erfolglos zu übertünchen.

Der hungrige Asiate und ich haben Ihre selbstlose Aktion mit angesehen und nicht ungeachtet gelassen. Jedoch muss ich Ihnen gestehen, dass ich sowohl Zigarillo als auch anderes viel zu gut nasal vernommen habe. Ohne Sie enttäuschen zu wollen, möchte ich mich jedoch hier noch einmal für Ihre fast heroische Selbstlosigkeit bedanken. Hätten Sie nur einen kurzen Augenblick in meine Richtung geguckt, hätte ich Ihnen diese Dankbarkeit auch gerne mit einem Zwinkern mitgeteilt, jedoch waren Sie wieder viel zu beschäftigt mit der Entzündung Ihres Zigarillos…Herr Alufolienstrohhalm erkennen sie Ihre Abhängigkeit und lassen Sie das Rauchen, damit ersparen Sie sich auch die peinliche Prozedur des Inhalierend dieser merkwürdigen Substanz mittels Ihres selbstgebastelten Strohhalmes.

Paradoxer Weise haben Sie trotz ihrer selbstlosen Tat so sehr versucht, so zu wirken als wäre Ihnen egal was Andere von Ihnen denken. Dies ließen Sie mich wissen als Sie benommen aus dem Fenster, in die Sonne und dann nach und nach mit jedem Atemzug auf dem Boden sahen. Ihre Augen schließen sich und Ihre Befeuerungshand begann sich selbständig zu machen. Langsam und zielsicher bewegte sie sich unter die Hose und erzeugte in Ihrer Intimszone ein Kratzgeräusch. Das Kratzgeräusch wechselte sich kurz mit Stille aus, die Bewegung unter der Hose blieb jedoch. Glücklicherweise sollte das Kratzgeräusch doch zurückkehren. Ich dachte Sie würden schon beginnen in der S-Bahn zu ornanieren. Ich denke dies ist in der S-Bahn ebenfalls nicht gestattet, so wie das Rauchen!

Ich weiss zwar nicht, was genau Sie mit Ihrer rechten Hand in Ihrer Hose taten, jedoch schien es so wichtig zu sein, dass die linke Hand nicht lange auf sich warten ließ, bis auch die sich dann langsam und zielsicher unter die Hose bewegte.

Was danach kam durfte ich glücklicherweise nicht mehr miterleben, denn mein Bahnhof war erreicht und ich konnte aussteigen. Eine Verabschiedung wahr nicht nötig, da Sie mir außer Ihrer kleinen Kratzshow nicht weitere Aufmerksamkeit zu Teil kommen ließen.

Abschließend möchte ich Ihnen Herr Alufolienstrohhalm doch nochmals ausdrücklich mitteilen, dass Sie sich helfen lassen sollten. Bekanntlich sterben Raucher früher und fügen Ihrer Lunge und somit sich selbst großen Schaden zu!

MfG
Dvd

PS: Wie oft sieht man jemanden in der S-Bahn schon Crack rauchen?

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